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Dienstag, 9. Oktober 2012

Irrungen und Wirrungen...



... im Supermarkt. Wer in der Schweiz nach Kohl sucht, wird hier nur Rosenkohl finden. Zum Glück ist Kabis (in weiss und rot/blau erhältlich) leicht als Kohl zu identifizieren und dann ist schnell klar, dass Wirz Wirsing ist. Wenn man Rote Beete sucht, packt am besten Randen in seinen Einkaufskorb und anstatt mit Kartoffeln geht man hier mit Erdäpfeln (Herdöpfel) nach Hause. Am leichtesten lässt sich das Rüebli als Karotte identifizieren, das diese ja auch in Deutschland Mohrrübe (natürlich nach mir benannt) genannt wird. Schwer war es zwischen Blätterkohl und Krautstielen den Mangold (übrigens auch mit der Rübe verwandt) zu finden. Der Griff nach den Krautstielen ist in diesem Fall der Richtige. Wichtig ist es auch zu wissen, dass in der Schweiz Paprika Peperoni ist, und Peperoni Peperoncini, ach, und das hiesige Paprika ist einfach nur Paprikagewürz. Alles klar?


Böllä und Tomate

Dienstag, 29. November 2011

It's Christmas time



Es ist gerade mal ende November und in der Schweiz ist schon das Weihnachtsmarktfieber ausgebrochen. Etwa zu früh? Also Schnee lag noch keiner, die weihnachtliche Atmosphäre liess also zu wünschen übrig. Aus Deutschland ist man es gewöhnt, dass sich Essstand an  Fressbude reiht, ab und zu gibt es auch mal einen weihnachtlichen Artikel zu kaufen. In der Schweiz ist dies jedoch genau umgekehrt. Hier gibt es kleine Adventsgestecke, dort drüben kleine Holzfiguren, da hinten Steinskulpturen. Natürlich gibt es auch noch selbstgestrickte Mützen, selbstgekochte Marmelade und selbstgenähte Taschen. Und zum Essen? Da haben sich die Churer was ganz besonderes ausgedacht, denn hier serviert man die traditionelle Bündner Gerstensuppe. Überall. An jedem Stand. Auch darf hier der Glühwein und die Feuerzangenbowle nicht fehlen. Ich war jedoch erstaunt, dass die umweltfreundlichen Schweizer den Glühwein in styropor Thermobechern ausschenken. Man kann auch sagen, man sieht den Mülleimer vor lauter Bechern nicht. Ein zweiter, eher trauriger, Nebeneffekt ist auch, dass die Finger beim Halten des Bechers leider nicht warm werden.

Erkenntnis der Woche: Das kleine Wörtlein "wo" hat ein grosses Einsatzgebiet in der Schweiz. Es kann anstelle von jedem Relativpronomen verwendet werden, und auch fast jeden Nebensatz einleiten. Deswegen müsste Ricola eigentlich sagen: " WO hat's erfunde, de Schwiizer."

It's just about end of November and in Switzerland Christmas market fever has already begun. Perhaps too early? Well, there was no snow yet, the Christmassy atmosphere was left to be desired. From Germany it's known that food stalls alternate with food stands, and sometimes one can buy a Christmassy item. In Switzerland that is just the opposite. Here one can buy small Advent arrangements, over there little wooden figures, and next to it some stone sculptures. Of course, there are also self-knitted bonnets, self-cooked marmelade and self-sewed bags. And to eat? Chur people came up with something really special, and served the traditional Grisons barley soup. Everywhere. At every stand. Furthermore, hot wine punch and brandy punch are also a must over here. But I have been surprised that the eco-friendly Swiss serve the hot wine punch in Styrofoam thermo-cups. Just to say, the dustbin is hidden in plain cups. A second, rather sad, side effect is that the finger don't get warm while holding the cup.

Insight of the week: In Switzerland the small word "where" has a huge application area. It can be used in stead of any relative pronoun and can open almost every subordinate clause. Therefore Ricola should actually say: "WHERE invented it, the Swiss."

Benis Boden

Sonntag, 16. Oktober 2011

L


Jetzt kann ich endlich voller Stolz sagen: "Wer hat's erfunden? Die Schweizer." Seit Montag kann ich mich in der ganzen Schweiz für ein Jahr wie eine Schweizerin bewegen. Dafür muss ich jetzt immer ein fliederfarbenes Mäppchen mit meinem L-Ausweis herumtragen. Falls ich kontrolliert werde...
Ich könnte jetzt sogar 14 Tage die Woche arbeiten. Zum Glück hatte ich mein Konto bei Postfinance eröffnet, wohl die einzige Bank, an der man sein Bankkonto auch ohne Aufenthaltsbewilligung eröffnen kann. Sonst hätte ich wohl immer noch kein Konto.
So, mal sehen wie es sich als L-Schweizerin in der Schweiz so lebt...

Erkenntnis der Woche: "Schmecken" ist "Riechen" und "Riechen" ist "Schmöcken". Wenn also hier jemand zu dir schmeck mal sagt, bloss nicht abbeissen, nur riechen! Wenn man da mal nicht durcheinander kommt...

Finally I can say with complete pride: "Who invented it? The Swiss." Since Monday I can move around the whole Switzerland like a Swiss. In exchange I have to carry a lilac file with my L-Identification with me. In case I get controlled...
Now I could work 14 days a week. And I am lucky enough to have opened my bank account at the Postfinance, the only bank where can open an account without residence permit. Otherwise I guess that I still wouldn't have a bank account.
Well, let's see how life is like as a L-Swiss...

Insight of the week: "Schmecken" (to taste) is "Riechen" (to smell) and "Riechen" (to smell) is "Schmöcken" in Swiss-German. So, if someone says to you schmeck/taste it, don't bite off, just smell. Better don't get confused with that...


15 x 25 cm, Schmincke watercolours and Rembrandt soft pastels on Arches paper.

Montag, 10. Oktober 2011

Tumein

Blick über den Davosersee | View over the Davos-lake

Endlich bin ich in Tamins angekommen. Jetzt bin ich der 1.164 Einwohner, der hier 662 m.ü.M eine Weile wohnen wird.  Ich habe mir auch gleich einen grösseren Packen Arbeit aufgelastet, da ich mir tatsächlich vier neue Möbelstücke bei IKEA gekauft hatte. Klar, natürlich unzusammengebaut. Nachdem man sich allerdings die Anleitung von Vorne nach Hinten und wieder zurück und von Links nach Rechts durchgeschaut hat, baut sich das Regal fast von selbst auf. Ja, so schwer ist es doch gar nicht, ich könnte glatt bei IKEA als Möbelaufbauerin anfangen.

Jetzt fragt man sich jedoch, was ist hier los in Tamins? Man könnte natürlich behaupten, es sei ein Kuhdorf. Anhand der Kuheinwohneranzahl ist dies auch recht logisch, denn von diesen vierbeinigen Wiederkäuern ist es hier völlig überlaufen. Also nicht wundern, wenn man aus dem Bäcker rauskommt und plötzlich einer brauenen Kuh gegenübersteht, die einen aus Augen mit wuderschönen, langen Wimpern entgegenguckt. Man darf es auch nicht verschmähen, auf mit Kuhkacke gespickten Strassen zu gehen, denn sonst bräuchte man hier Flügel. Ja, und sonst geht hier die Post ab. In Tamins hält der Postbus nämlich gleich an zwei Haltestellen.

Erkenntnis der Woche: Wenn ein Schweizer von "Ausgang" spricht, meint er keinenwegs einen Gefängnisinsassen, der gerade Ausgang hat. Nein, man geht hier in den Ausgang, wenn man feiert. Obwohl man natürlich dabei beachten muss, dass auch die Schweizer durch den Eingang in die Disko gehen.


Finally I arrived in Tamins. Now I am the 1.164 inhabitant who will live here on 662 a.s.l. for a while. Right in the beginning I load myself with a huge workpackage, as I actually bought four new pieces of furniture at IKEA. Of course, unassembled. After looking through the manual back and forth and from the right to the left, the shelf almost assembled itself. Yes, it's not that difficult, I could just start as a Furniture-assembler at the IKEA.

Well, now one askes oneself, what's going on in Tamins? One could claim it is a one-horse town (in German that would be one-cow town). ON the basis of the cow-population that would be qite true though, because here it is totally overcrowded by these ruminants. So, don't be surprised when you come out of the bakery and face a brown cow, which looks at you out of her big eyes with long, beautiful eyelashes. Also one shouldn't despise to walk on a road spattered with cow-shit, otherwise one needs wings here. 

Insight of the week: If a Swiss talks about "Ausgang" (way out), it doesn't mean that a prision inmate is released from prision for one day. No, Swiss refer to Ausgang if they go out to party. Even though one has to take in mind that even the Swiss enter the club through an entrance.


Kaffee Klatsch, Davos

Sonntag, 18. September 2011

1. Woche | 1st Week


Es ist doch immer schön, wenn man gleich von einer jubelnden Menschenmenge empfangen wird. Vor allem dann, wenn es sich um ein Volksfest handelt und man seinen 21 kg schweren Koffer durch diese Menschenakummulation ziehen muss. 

Am nächsten Tag lernte ich dann auch schon die "Begegnungszone" kennen. Das hört sich jedoch schlimmer an, als es in wahrheit ist. Die Begegnungszone ist ein wesentlicher Bestandteil der modernen Verkehrssicherheit Churs. Alle werden hier gleich behandelt, ob Fussgänger, Velofahrer, Autofahrer, Hund oder Katze. In der besagten Zone hat jeder, oder beziehungsweise keiner, Vorfahrt.

Manchmal habe ich hier auch kleine Verständigungsprobleme mit den Schweizern. Das ist aber meistens nicht weiter schlimm, denn hier sind ja alle sehr nett und sagen dann: "Ah, du verstehst kein Schweizerdeutsch? Na macht nichts, das kommt noch." Woraufhin sie dann weiter auf Schweizerdeutsch (irgendwas) erzählen. Es ist also nur verständlich, dass nach dem grossen Churer Stadtbrand (1464) die Handwerker aus Österreich und Italien beiläufig das Wort "Kauderwelsch" erfanden. Da sie das Rätoromanisch der Churer nicht verstanden, leiteten sie das Wort "Chauer" von Coira/Chur ab, um deren Sprache zu bezeichnen. Noch heute redet man von Kauderwelsch wenn man eine fremde Sprache nicht versteht.

Nach einer Woche Chur frage ich mich jedoch, ob die Blumenhändler hier auch noch andere Blumen als rote Geranien verkaufen.

Erkenntnis der Woche: In Chur haben sogar die Verkehrsampeln am Sonntag frei.

Wohin man auch schaut, grüne Wände | Wherever one looks, only green walls

 It is always nice to be received by a cheering crowd. First of all if it's a folk festival and one has to carry one's luggage through this accumulation of people.

The next day I got to know the "Begegnungszone" (encounter-zone). That is actually not that weird as it sounds. The "Begegnungszone is a basic element in Chur's modern road safety. Everybody is treated equal in this zone, whether pedestrian, biker, driver, dog or cat. In this zone everybody, or rather nobody, has right of way.

Sometimes I have some difficulties in comprehension of the Swiss-German language. Mostly that's not a big deal, everybody here is really nice and says: " Oh, you don't understand Swiss-German? Well, doesn't matter, you will learn it." After that they just keep talking (about something) in Swiss-German. So, it's just comprehensible that after the big fire in the city of Chur (1464), workman from Austria and Italy casually made up the word "Kauderwelsch" (German for double Dutch). As they didn't understand Rhaeto-Romanic, they deviated the word "Chauer" from Coira/Chur to name whose language. Until now Germans say that someone talks Kauderwelsch if they don't understand the language.

After one week in Chur, I ask myself if florists over here also sell any other flowers than red geranium.

Insight of the week: In chur the traffic lights have their day-off on sundays.


Schloss Haldenstein
Mittenberg, St.Luzikapelle

Bündner Kunstmuseum